Kleine Ermutigung für Dich

In der westlichen Welt leben viele Menschen mit dem Fokus auf den Schwächen, auf den Fehlern, auf dem, was gerade nicht gut läuft. Schon unser Schulsystem ist vielerorts darauf ausgelegt. Du hast hier in der Mathe einen 6ser (Schweizer Benotungssystem)? Toll. Aber hey, hier im Schreiben bist Du noch nicht so gut. Hier hast Du wirklich DRINGEND verbesserungsbedarf nötig. Du schreibst einfach nicht genügend ordentlich. Du solltest Dich achten, besser auf der Linie zu bleiben. Leserlicher zu schreiben, wenn das so krakelig ist, dann wird das unlesbar usw. Du kannst jetzt sagen: „Ja klar, es ist ja auch wichtig, dass wir uns verbessern. Es ist ja auch wichtig, dass wir an uns Arbeiten und dass wir auch lernen leserlich zu schreiben.“ Als nächstes wird vielleicht ein Übungsplan ausgearbeitet, wann wieviel das Schreiben geübt wird, damit sich diese SCHWÄCHE verbessert. Ich möchte jetzt auch gar nicht wie ein Weltverbesserer klingen oder unser Schulsystem anprangern, denn ich finde unsere Schulen machen in ganz Vielem tolle Arbeit. Dies dient nur als Beispiel, wieviel Gesprächs- und Aufmerksamkeitszeit wir auf die Stärken, und wieviel auf die Schwächen legen. Und wie wir Normen erschaffen und jede oder jeder dieser Norm in allen Punkten zu entsprechen hat. Dieses Bild des „Fokus auf den Defiziten und Schwächen“ begegnete mir früher,

  • als Kind in der Schule.
  • als in der Wirtschaft tätig war.
  • in unzähligen Familien.
  • teilweise wenn ich Mütter über Mütter sprechen höre.
  • wenn ich höre, wie es in mir drin mit mir spricht.
  • wenn ich mit anderen Menschen in die Innenschau gehe.

Überall ist da so viel Kritik, so viel Fehlersuche, so viel Fokus auf den Defiziten, auf den Schwächen. Und diese Stimmen, diese Haltungen, die bleiben nicht im Aussen. Nein, sie werden zu unseren inneren Stimmen. Zu unseren eigenen Haltungen. Oder woher kommt all dieser Drang zu Perfektion, zu Höher/schneller/besser? Zu Gewinnmaximierung koste es, was es wolle? Zu Burnouts und Depressionen?

Hör nur mal einer Analyse eines Fussballmatches in der Pause zu. Wieviel Zeit wird darauf verwendet zu diskutieren, was gut gelaufen ist? Was toll war? Was hervorragend gespielt war? Und wieviel Zeit auf das, was es noch zu verbessern gilt? Was nicht gut war?

Und nun frage ich Dich

Wann hast Du Dich in Deinem Leben richtig gut gefühlt?

Wann bist Du voller Freude und Liebe über Dich hinaus gewachsen?

Wann hattest Du das Bedürfnis, etwas von Dir mit Deiner Welt, Deinen Liebsten zu teilen?

Wann hast Du Dich einem Menschen ganz nahe gefühlt, sicher und geborgen?

Wann hast Du in Deinem Leben Flügel bekommen?

Wann war da ein Moment des Glücks?

… Wenn Du Dich kritisiert fühltest? Wenn Du an Deine Schwächen erinnert wurdest? Wenn Du krampfhaft versucht hast, eine Leistung zu erbringen? Dich zu verbessern? Wenn Du Dich beweisen musstest um dazu zu gehören?

… Oder viel eher, wenn Du Dich geliebt fühltest? Wenn Du für einen Moment wusstest, dass Du OK bist wie Du bist? Dass Du gesehen und angenommen wirst? Dass Du dazugehörst genau so wie Du bist? Dass Du gehört wirst? Dass Du mit Deinem Wesen einen wichtigen Beitrag an die Gemeinschaft beisteuern kannst? Dass diese Eigenschaft und Stärke von Dir etwas ausmacht? Dass Du integriert bist und doch als Individuum einzigartig sein darfst?

Das sind nicht einfach nur Sätze. Das sind Grundbedürfnisse und Grundverletzungen von JEDEM Menschen. Das behaupte ich hier einfach, denn davon bin ich felsenfest überzeugt. Der eine oder der andere Satz klingt bestimmt auch bei Dir an. Und ich bin mir ganz sicher, dass Du dann voller Glück und Freude etwas geschafft, erreicht, geteilt hast, wenn Du Dich eben angenommen, geliebt, gesehen usw. fühltest.

Und genau deshalb dürfen wir uns HEUTE entscheiden, dass wir unseren Fokus mehr auf das Positive von anderen Menschen richten mögen. Dass wir ihre Perlen, ihre Edelsteine, ihre Ressourcen suchen, finden, respektieren, huldigen, wertschätzen, respektieren. Dass es jedem Menschen viel mehr bringt, wenn wir seine Stärken sehen, als uns auf seine Schwächen fokussieren. Und ich kann diese Entscheidung JEDEN TAG aufs neue Treffen. Und genau hierfür mein Bestes geben. Vielleicht bewege ich mit meiner Entscheidung nicht die ganze Welt. Vielleicht aber auch doch, irgendwann. Denn jede Bewegung beginnt bei uns selbst. Jede Bewegung beginnt im Kleinen. Es sind Samen die wir setzen, welche die Chance haben zu keimen. Und gerade wir als Eltern und Pädagogen, wir können bei uns selbst und unseren Kindern beginnen und wichtige Grundpfeiler damit setzen. Und wer weiss, was aus diesen kleinen Samen grosses entstehen kann?

Ich war kürzlich in einer Kita für eine interne Weiterbildung der Kita-Mitarbeiter/innen. Wir haben am Schluss eine Ermutigungsübung gemacht. Und zwar, gab es für jeden Menschen dort im Raum einen persönlichen Zettel. Dieser Zettel wurde von Person zu Person weiter gereicht und jeder hat zur entsprechenden Person etwas aufgeschrieben. Etwas, das einem an dieser Person gefällt, etwas, das man an dieser Person mag. Ein schönes Erlebnis von letzter Woche oder etwas, wofür sie dieser Person gerade dankbar sind. (Diese Übung habe ich übrigens aus meiner Ausbildung AAI-IP-Erziehung). Dann wurde die Notiz um gefaltet. Denn die Nachricht ist nicht für jeden bestimmt, nur für den Empfänger. Die Stimmung und Atmosphäre, die sich innert Kürze im Raum ausgebreitet hatte, war beeindruckend. Da war Gelächter, ausgelassene Fröhlichkeit, Freude, Sanftheit – und noch viel mehr. Den persönlichen Zettel durfte dann jeder mit nach Hause nehmen und in einer ruhigen Minute für sich lesen. Eine so schöne Übung, ich kann sie nur jeder Gruppe von Menschen weiter empfehlen.

Also, wo können wir mehr Ermutigung, mehr Blick aufs Positive, auf die Stärken, auf die Liebe in unseren Alltag bringen und damit täglich Samen setzen?

Und geht das auch virtuell?

Vielleicht. Ich mache hier mal einen Anfang. Und wer weiss, vielleicht machst Du mit? Ich werde gleich diesen Post auf FB und auf Instagram teilen. Ich werde den Link kopieren und einem Menschen aus meinem Umfeld eine Ermutigung zukommen lassen. Ich werde ihr schreiben, was ich an ihr mag, was ich an ihr schätze, wofür ich ihr dankbar bin, auf was ich mich mit ihr freue oder ähnliches! Diese kann kurz oder lang sein, egal. Sie kann via Whatsup, via Messanger, offiziell in Social Media, per Email oder wo auch immer geschickt werden. Nein, dies ist kein Kettenbrief! Es geschieht Dir überhaupt nichts, wenn Du hier nicht mitmachst. Aber hey, gibt es etwas schöneres, als Freude, Liebe und Dankbarkeit zu verschenken? Das macht auch etwas mit uns, diese Freude, Liebe und Dankbarkeit findet auch wieder zu uns zurück, schon alleine durch den Akt des Schenkens.

Markiere Namen, teile, verschicke, benutz dieses Foto dazu, mach ein Eigenes, erwähne mich als Quelle oder auch nicht, Alles ist erlaubt. Benutzen wir den Hashtag #kleineermutigungfürdich. Lasst uns Samen sähen, täglich aufs Neue. Gemeinsam sind wir stark. Ich freue mich auf die vielen positiven „vibes“.

Herzliche Grüsse,

Céline

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