Kontroverse Wort Erziehung

Ich möchte eine Kontroverse Diskussion zum Wort „Erziehung“ ins Leben rufen. Warum? Weil ich in Facebook, Instagram und „Erziehungs“-Büchern immer wieder auf dieses Thema stosse. Was denkst Du darüber?

Das Zusammenleben mit Kindern bedeutet für mich persönlich:

  • In Beziehung mit meinen Kindern zu leben.
  • Die Kinder als Vollwertige und Ganze Kinder zu sehen und nicht als halbfertige Erwachsene.
  • Ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Sie sind mir total gleichwertig. Mich interessiert ihre Meinung. Ihre Sorgen, Nöte und Bedürfnisse sind genauso wichtig und relevant wie Meine. Bei Babies und Kleinkindern unter 2 Jahren stehen ihre Bedürfnisse, Sorgen und Nöten über meinen. Später dürfen wir in eine Balance kommen.
  • Wir sind nicht gleichberechtigt. Denn ich habe die Aufgabe übernommen, sie in ihrem Leben nach meinem besten Wissen und Gewissen zu begleiten. Das bedeutet, dass ich Verantwortung übernehme. Dass ich ihnen einen Rahmen biete, der es ihnen ermöglicht, Halt und Orientierung zu finden. Das bedeutet auch, dass ich den Konflikt nicht scheue und in die Diskussion gehe, wo wir anderer Meinung sind. Dieser Rahmen besteht aus mir wichtigen Werten. Er ist im Fluss und im Wandel. Es ist auch meine Verantwortung, diesen zu reflektieren und zu hinterfragen. Die Meinung der Kinder einzubeziehen.
  • Innerhalb dieses Rahmens haben sie Freiheit. Da dürfen sie selbst entscheiden, vollkommen frei sein.
  • Ich begleite sie darin, dass sie die Gemeinschaft erfahren. Das Zusammenleben in einer Gemeinschaft bedeutet, dass ich mich hier und dort lerne anzupassen. So wie ich mich auch hier und dort anpasse. Aus freiem Willen, weil ich dazugehöre, weil mir die Gemeinschaft wichtig ist.
  • Mein Kind darf seinen Beitrag zur Gemeinschaft tragen. Dadurch ist es wichtig und es erhält Anerkennung. Ein menschliches Grundbedürfnis.
  • Natürlich gehört es immer dazu. Es gibt jedoch Verhalten, die ich nicht tolerieren möchte, weil sie gegen meine Werte verstossen. So z.B. schreite ich ein, wenn das Kind Gewalt anwendet. Hier darf es lernen, dass seine Gefühle, in diesem Fall wahrscheinlich die Wut, gute und sinnvolle Energien sind. Sie sind immer OK und sie dürfen fliessen. Doch ich begleite es im Prozess, wie diese Gefühle gewaltfrei ausgelebt werden können.
  • Wenn Frust entsteht, dann begleite ich es, sofern ich nicht selbst in der Wut stecke und mich zuerst um meine eigene Wut kümmern muss.
  • Wenn Traurigkeit, Eifersucht, Freude, Scham, Schuld etc. da sind, dann begleite ich es. Alles ist OK, alles darf sein. Ich bin wie die Amphore, ich bin das Gefäss, das die Kinder hält in allem, was sie gerade schüttelt und bewegt.
  • Ich schenke meinem Kind soviel Freiraum wie möglich, damit es Erfahrungen machen darf. Damit es sich entwickeln und damit es lernen darf. In seinem eigenen Tempo.
  • Ich versuche es nie mit anderen zu vergleichen. Es ist gut so wie es ist, es darf sich in seinem eigenen Tempo entwickeln. Es muss auch nicht in allen Dingen gut und kompetent sein. Es darf seine eigenen Stärken und Leidenschaften entwickeln.
  • Ich erwische es wenn es gut ist und nähre die positiven Eigenschaften.
  • Ich übernehme Verantwortung für mich und für meine Gefühle. Ich bin weder Täter noch Opfer. Das Kind ist nicht verantwortlich für meine Gefühle. Ich bin nicht verantwortlich für die Gefühle des Kindes. Dafür darf ich mich immer wieder selbst reflektieren. Anschauen, was sich gerade im JETZT zeigt im Zusammenleben mit den Kindern. Sie sind nicht schuld. Ich bin es auch nicht.
  • Ich bin ein Vorbild, ich lebe, was ich sage.
  • Ich zeige mich den Kindern ehrlich, authentisch und offen.
  • Ich kenne nicht die Wahrheit. Ich kenne nur meine ganz persönliche Wahrheit. Diese zeige ich dem Kind, wenn es sich dafür interessiert. Und ich interessiere mich für die Wahrheit des Kindes. Ich bin nicht der Richter. Ich lerne genauso dazu wie das Kind. Auch ich darf lernen und mich entwickeln und gemeinsam mit Kindern wachsen.
  • Gerne lasse ich mir die Welt der Kinder zeigen. Indem ich mit ihnen spiele, in ihrem Tempo laufe, die Welt versuche mit ihren Augen zu sehen. Gerne zeige ich den Kindern meine Welt. Wie die Arbeiten gehen und funktionieren, die ich tagtäglich mache.
  • Ich nehme mir die Freiräume und Zeiten alleine, die ich brauche. So wie ich diese Zeiten den Kindern auch schenke. So dass wir uns nicht in der Gemeinschaft verlieren und auch wieder zu uns selbst finden. So dass wir uns authentisch und in uns gefestigt in die Gemeinschaft einbringen können.
  • Nicht zu vergessen die Liebe, die Wärme, die Geborgenheit, die Bindung, die Beziehung, die Ermutigung und all das was dazu gehört. Sie sind natürlich die Basis von Allem.

Ich könnte diese Liste noch ergänzen, aber ich mache jetzt hier einen Stopp.

All das ist für mich im Wort „Erziehung“ drin. Genau deshalb, ist für mich das Wort „Beziehung“ dafür nicht ausreichend. Es erklärt nicht im entferntesten das, was das Zusammenleben mit Kindern für mich bedeutet.

Und nun frage ich Dich, Du, die und der Du das Wort „Erziehung“ daneben findest: Findest Du den Inhalt, was „Erziehung“ für mich bedeutet auch daneben? Oder bist Du sogar bei mir und Du benennst all das „Beziehung“ oder sonst irgendwie? Müssen wir wirklich über Worte diskutieren?

Vielleicht ja. Vielleicht ist das Wort tatsächlich nicht mehr angebracht.

Vielleicht ist der Begriff „Erziehung“ zu negativ behaftet durch die letzten Jahre Patriarchat und autoritäres Regime. Wenn Du mich jedoch dafür verurteilst, dass ich das Wort „Erziehung“ gebrauche, dann habe ich das Gefühl, Du hörst mir nicht zu. Dann habe ich das Gefühl, Du meinst, die Wahrheit zu kennen. Kennst du sie? Dann habe ich das Gefühl, dass ich nicht gleichwertig von Dir behandelt werde. Dann habe ich das Gefühl, dass Du ein Dogma aufstellst. Dass Du sagst, dass ich nur dazugehören kann, wenn ich Deine Meinung teile. Das gleicht mir allerdings wieder sehr einem autoritären und totalitärem Regime. Aber das ist doch genau das, was Du auf keinen Fall möchtest? Oder?

Deshalb ist das für mich ein Kampf gegen Worte. Mein Vorschlag: Wie wäre es, wenn wir nicht im Kampf sind, sondern den Weg des Friedens gemeinsam gehen? Der Weg des Friedens könnte sein, dass wir das Wort „Erziehung“ mit neuen Bildern, Haltungen und Inhalten füllen. Weg von der Gewalt, vom „Nicht gleichwertig sein“, weg von der künstlichen Autorität, dem Spiel der negativen Macht. Wie wäre das? Für mich würde sich das wunderschön anfühlen.

Und vielleicht ist es auch an der Zeit, einen neuen Begriff zu finden. Beziehung ist es für mich nicht. Vielleicht sollte es „Begleitung“ heissen? Vielleicht gibt es einen anderen Begriff? Sowas müsste dann aber auf politischer Ebene passieren. Wenn es neue Begriffe braucht, dann müsstest Du über die Politik gehen. Und auch dann ist es unabdingbar, dass sich Haltungen verändern. Die Putzfrau heisst nicht mehr Putzfrau, sondern Reinigungskraft. Bekommt sie dafür mehr Respekt, Achtung und Wertschätzung für ihre wertvolle Arbeit, die sie täglich leistet? Ich bezweifle es. Denn diese Wertschätzung kann sie nur von den Menschen erfahren und nicht durch einen neuen Begriff. Aber vielleicht ist der Begriff ein Anfang. Das mag sein.

Nun habe ich viel geschrieben und möchte wissen, was Du denkst. Stehst Du öffentlich zu Deiner Meinung? Dann lass uns unter dem Hashtag #kontroverseworterziehung auf Instagram diskutieren. Ich bin gespannt.

Herzliche Grüsse

Céline

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