TicTac Stress am Morgen

TicTac – Morgenzeit, Anziehzeit, Stresszeit?

TicTac, die Uhr läuft und in vielen Familien bricht in der Morgenzeit bereits der erste Stressmoment des Tages aus.

Wecken, Aufwachen, Aufstehen, Frühstück machen, Frühstück essen, Znüni bereit stellen und einpacken, Kleider bereit legen, anziehen, Zähne putzen, Gesicht waschen, Haare bürsten, Schuhe anziehen, Jacke anziehen, Kappe und Handschuhe anziehen, Leuchtstreifen oder Leuchtweste, ev. Turnsachen noch bereit machen oder die Hausaufgaben einpacken, das XY Spielzeug – das noch unbedingt mit in den Kindergarten muss um es den Kollegen zu zeigen….

… Ganz geschweige davon, dass Mama oder Papa sich selbst auch noch für den Tag parat machen dürfen. Ja das ist schon ganz schön viel, was es da innert kürzester Zeit zu bewältigen gibt. Das ist für uns und auch für die Kinder eine riesige Herausforderung. Kaum Ablenkung ist erlaubt, kaum oder kein Spielen oder Bummeln dazwischen. Nein, höchste Konzentration ist gefordert um all diese Abläufe einzuhalten und an alles zu denken.

Uff, da wird einem beim Gedanken ja schon ganz schwindlig!

Kein Wunder, dass in vielen Familien genau hier Stress ausbricht.

  • Das Kind möchte in seinem Tempo machen. Es möchte fröhlich sein, gemütlich in den Tag starten, spielen, das Leben geniessen und vielleicht hat es auch gar nicht besonders Lust um in die Spielgruppe, den Kindergarten oder die Schule zu gehen.
  • Die Eltern möchten, dass alles wie am Schnürchen läuft. Dass die Kinder konzentriert und zackig vorwärts machen, sich hier und dort etwas beeilen und sie alles nur einmal sagen müssen.

Oft prallen hier Bedürfnisse, die Leistungsfähigkeit und Vorstellungen aufeinander. Anstatt eines gemütlichen und fröhlichen Miteinander zieht Stress ein. Und auf Stress reagieren wir unterschiedlich. Wie reagierst Du, wenn Du gestresst bist? Wirst Du stumm und ruhig? Macht sich innerlich ein Gefühl der Hilflosigkeit breit? Reagierst Du genervt? Steigst Du in einen Machtkampf ein? Streitest Du? Erinnerst und ermahnst Du? Schimpfst Du? Beginnst Du zu schwitzen? Wirst Du rot im Gesicht? Wird Dir kalt? Wirst Du laut oder schreist Du? Fühlst Du Dich nicht gehört, nicht respektiert, nicht wertgeschätzt, nicht gesehen, nicht ernst genommen in Deinem Bedürfnis? Machst Du alles für das Kind damit Du nicht geduldig warten musst?

Wenn Du weisst, wie Du reagierst, dann sagt das viel darüber aus, wie Du mit „Stress“ umgehst. Achte Dich mal, ob Du genau die selben Gedanken, Gefühle und Reaktionen von Dir in anderen Stressmomenten beobachtest?

Viele Menschen reagieren auf Stress nicht so, wie sie das in ruhigen und besonnenen Momenten tun. Das ist völlig normal. Im Stress werden andere Hormone ausgeschüttet und im Hirn wird das Reptilienhirn mehr herausgefordert. Da funktionieren wir logischerweise nicht mehr gleich wie sonst. Du kannst Dir also noch X-Mal vornehmen, dass Du nächstes Mal ruhiger und besonnener reagierst. Die Wahrscheinlichkeit, dass Dir das nicht gelingt, ist sehr gross. Denn der Stress ist ja immer noch da und Deine Reaktionen auf Stress zu verändern, das beinhaltet ein grosses Mass an Achtsamkeit, Bewusstsein, Gewahrsein und Übung. Nicht, dass sich das nicht lohnen würde. Auf jeden Fall. Mach Dich auf diesen Weg, am besten heute schon. Doch es wird Zeit brauchen, viel Verständnis, Geduld, Selbstannahme und Eigenliebe mit Dir selbst.

Du kannst also an den Symptomen arbeiten, oder Du gehst an die Wurzel

Du kannst also an den Symptomen arbeiten, Deinen Reaktionen auf den Stress. Und das dauert seine Zeit. Viel effektiver ist es doch da, wenn Du an die Wurzel gehst. An den Stressauslöser. Und hierfür ist es eigentlich gar nicht möglich, Lösungsvorschläge zu geben. Denn Du bist einzigartig und keine Massenabfertigung. Was bei Dir konkret den Stress verursacht, das weisst nur Du selbst und das kannst auch nur Du selbst herausfinden. Wenn wir bei solchen Themen nicht selbständig „dahinter“ kommen, dann hilft uns oft ein Coaching, ein Blick von Aussen weiter. Möchtest Du Dich tiefer erforschen, dann macht es Sinn, hier ein Coaching oder auch eine MamaZeit zu geniessen.

Hier ein paar Überlegungen für Dich

  • Wer trägt für Dich die Verantwortung, dass Dein Kind pünktlich aus dem Haus geht? Traust Du Deinem Kind zu, dass es diese Verantwortung (mit Deiner Unterstützung) selbst übernehmen kann oder übernimmst Du die volle Verantwortung dafür? Falls Du die volle Verantwortung trägst, dann wirst Du nicht aus dem Stress heraus kommen. Es sei denn, Dein Kind ist super kooperativ und hörig und macht Morgens immer alles genau so wie Du es wünschst.
    Wieso übernimmst Du denn die komplette Verantwortung? Machst Du Dir Sorgen darüber, was Andere (Lehrer) über Dich denken, wenn Dein Kind zu spät kommt, nach seinem eigenem Geschmack gekleidet ist etc.? Traust Du dem Kind nicht zu, dass es für sich selbst sorgen kann? Fühlst Du Dich nicht gebraucht, wenn Dein Kind das Alles selbständig macht? Hast Du ein eine heilige Kuh (ein Dogma) auf dem Thema Pünktlichkeit? Sonst was?
  • Wie ist das System, der Zeitablauf? Ist damit dem Tempo des Kindes Rechnung getragen? Oder bräuchte es hier und dort mehr Zeit für etwas? Ist die Anziehzeit zu kurz berechnet, damit es das Kind selbständig machen darf? Solltet Ihr früher aufstehen, damit alles möglich ist?
  • Wo bist Du mit Deiner Aufmerksamkeit in der Morgenroutine? Bist Du präsent im Hier und weisst Du genau, wo Dein Kind mit was Deine Unterstützung braucht? Oder bist Du bereits am Handy, mit dem eigenen Anziehen beschäftigt?
  • Könnt Ihr Dinge „auslagern“? Hilfe in Anspruch nehmen? Aufgaben teilen? Könnte z.B. der Partner das Bereitstellen der Znünibox übernehmen? Könnten die Kleider bereits am Abend davor abgesprochen, herausgesucht und bereit gelegt werden? Die Schuhe schon bereit gestellt? Der Turnbeutel bereits am Vorabend gepackt und eingepackt werden?

Wie kannst Du Veränderungen angehen?

  • Besprich Dich mit dem Kind, dass Dir Eure Morgenroutine nicht gefällt. Sag Deinem Kind ganz klar, dass Du in Stress kommst und Du dann so und so reagierst, was Du nicht mehr möchtest. Deshalb ist es Dir wichtig, dass Du nicht mehr in den Stress kommst. Frag das Kind auch, was ihm am Morgen wichtig ist und höre ihm gut zu. Dann könnt Ihr gemeinsam nach Lösungen suchen, wie Ihr das hin kriegt.
  • Ganz wichtig ist, dass Du beginnst, mehr Eigenverantwortung an Dein Kind zurück zu geben. Wenn Dir das schwer fällt, schau Dir das Thema mit einem Coach oder Berater Deiner Wahl an. Dein Kind möchte wachsen und sich entwickeln. Es möchte autonom sein. Und darum tust Du ihm einen grossen Gefallen, wenn Du ihm mehr Eigenverantwortung überträgst. Das kannst Du Deinem Kind auch ganz klar sagen: „Schau, ich möchte nicht mehr die Verantwortung dafür tragen, dass Du pünktlich aus dem Haus kommst. Das ist nämlich Deine Verantwortung und ich entschuldige mich dafür, dass ich diese übernommen habe. Sie gehört mir nicht. Ich traue Dir ab sofort zu, dass Du das kannst! Ich weiss, dass Du das wunderbar schaffen wirst! Lass uns schauen, was Du dazu brauchst…“
  • Und nun kannst Du wunderbar Verantwortung übergeben, indem Du mit Uhren arbeitest. Mit meinen Spielgruppen- und Kindergartenkindern hatte ich mit einer Uhr mit Bildern gearbeitet. Da konnten wir zusammen besprechen, bei welchem Bild der grosse Zeiger ist, wenn es Zeit zum Anziehen ist. Oder Zähne putzen, oder zum aus dem Haus gehen. (Die Idee der Uhr mit den Bildern habe ich vor einigen Jahren von Rita Wahrenberger erhalten).
  • Meine mittlerweile Schul- und Kindergartenkinder haben sich jetzt einen Wecker gewünscht. So haben wir auf dem iPad tatsächlich 4 Wecker eingerichtet.
    Beim 1. Wecker ist das Frühstück beendet und Zeit zum Anziehen.
    Beim 2. Wecker ist Zeit zum Zähne putzen.
    Beim 3. Wecker ist Zeit zum Schuhe etc. anziehen.
    Beim 4. Wecker ist Zeit um Tschüss zu sagen.
    Klingt total durchgetaktet? Ist es auch. Doch uns hilft es, wir brauchen scheinbar so eine klare Struktur. Wir sind damit erneut erfolgreich aus der Stress- und #Mamaistgenervt Spirale ausgestiegen. Unser Morgen läuft wieder harmonisch und friedlich ab (meist) und unser Familienklima ist dafür dankbar.
  • Abmachungen sollen nun auch eingehalten werden und Folgen zugelassen werden (mehr zum Thema Folgen liest Du hier). Du darfst die Verantwortung WIRKLICH übergeben, mit allem was dazu gehört.
    Hier ein paar Beispiele:
    – So liefen wir auch schon im Pijama, Frühlingsjacke und Gummistiefeln durchs Dorf in die Spielgruppe, als der Zeiger beim „Aus dem Haus – Bild“ war. (Die Kleider natürlich im Gepäck und in der Garderobe zogen wir raz-faz um. Das Zähne putzen sprang an diesem Morgen über die Klinge. Danach schaffte es meine Tochter jeweils rechtzeitig.)
    – Wenn das Kind zu spät ist, dann sind seine Lauf-Gspänlis vielleicht schon abgelaufen. Es darf den Weg also alleine bewältigen.
    – Ist das Kind einmal ganz spät, dann wird es den Weg in den KiGa oder die Schule nicht rechtzeitig zurücklegen können. Es macht die Erfahrung, zu spät zu kommen. Und es verknüpft auch Gefühle gemeinsam mit dieser Erfahrung. Ich bin mir sicher, dass die meisten Kinder das nicht toll finden und schauen, dass es sich nicht wiederholt. Sollte Dir das schwer fallen, kannst Du ja zuvor mit der Lehrerin Kontakt aufnehmen und sie informieren, dass Ihr Zuhause gerade an diesem Lernschritt arbeitet. So ist sie informiert und kann adäquat reagieren und mithelfen, am Lernschritt Erfolge zu erzielen.

ACHTUNG:

  • Natürlich sollst Du dem Kind nicht Zuviel zumuten. Wie bei Allem ist auch hier die Balance wichtig. Doch meine Erfahrung zeigt eher, dass die Kinder viel mehr können, als wir ihnen zumuten. Und Verwöhnung in grösserem Alter ist für den Selbstwert einfach nicht gut. Unser aller Ziel ist es doch, dass wir die Kinder „Lebensfähig“ machen. Das heisst auch, sie brauchen die Chance um zu Üben und eigene Erfahrungen machen zu dürfen. Wie wichtig das ist, siehst Du auch hier im Lernberg von Vera F. Birkenbihl – Minute 10.30 – 27.
  • Bedenke auch, was für eine Liebessprache Dein Kind spricht (Buchempfehlung: 5 Sprachen der Liebe für Kinder von Gary Chapman und Ross Campbell).
    – Ist es z.B. die Sprache der Hilfsbereitschaft, dann tust Du gut daran, Deinem Kind am Morgen auch hier und dort zu helfen, um seinen Liebestank zu füllen.
    – Ist es die Zärtlichkeit, dann nimmst Du Dir vielleicht ein paar Extra Minuten Zeit um beim Aufwecken zu kuscheln mit Deinem Kind.
    – Ist es Lob und Anerkennung, dann melde Deinem Kind unbedingt mit Worten zurück, was es schon pünktlich, zackig oder toll geschafft hat, wie gut es seine Kleider selbständig herausgesucht hat etc.!
    – Ist es Zeit zu Zweit, dann gelingt es Dir vielleicht sogar, am Morgen noch ein Buch gemeinsam anzuschauen, Deinem Kind beim Frühstücken richtig zuzuhören oder sonst wo Deinem Kind Deine ganze Aufmerksamkeit zu schenken.
    – Sind es die Geschenke, ja dann könntest Du ab und zu Deinem Kind etwas „Spezielles zu Essen“ in seine Znünibox einpacken.
    Und sowieso darfst Du all diese Dinge anwenden, den Liebestank Deines Kindes wo möglich füllen und immer und überall ermutigen.

Wir können NIE zu grosszügig sein mit unserer Ermutigung und unserer Liebe!!!

  • Stell nicht einfach das Programm am Morgen um. Besprich Dich UNBEDINGT zuerst mit dem Kind. Ihr seid ein Team und in einem Team werden Änderungen zuerst gemeinsam besprochen. Es sollen alle Bedürfnisse angehört werden und gemeinsam eine Win-Win-Lösung gesucht werden. Und dafür sollten ALLE einverstanden sein. Ansonsten darf das Thema vertagt werden und ein anderes Mal erneut nach Lösungen gesucht werden, die für alle stimmig sind.
  • Dein Kind ist NICHT schuld an Deinem morgendlichen Stress! Es ist Dein Stress. Übernimm die Verantwortung für Deinen Stress und Deine Reaktion darauf. Arbeite bitte an Deiner Haltung. Doch verzage nicht und übernimm Du auch keine Schuld. Es geht hier nicht um Schuld. Ihr habt Euch da gemeinsam hinein manövriert, das ist ein Zwischenspiel. Ändere das Wort Problem mit Herausforderung und schau, was passiert. Und dann machst Du Dich an Lösungsideen für die Herausforderung. Ändere die Situation und Euren Umgang.
    Nicht im Affekt! Sondern wohl überlegt und in ruhiger Minute geplant!

Ich hoffe es sind Ideen und Überlegungen dabei, die Dir weiter helfen. Viel Spass beim Verändern!

Herzliche Grüsse

Céline

Coaching für Eltern, Nicht-Eltern & Jugendliche – weil Du es Dir wert bist!

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2 Kommentare
  1. Kleinstadtlöwenmama says:

    Wow, vielen Dank für die vielen Anregungen und Tipps! Einiges habe ich schon intuitiv so gestaltet, aber es hakt ja dann doch immer mal wieder, wenn die Bedürfnisse sich ändern – da werde ich gerne hier nochmal vorbeischauen!

  2. Céline Schaub says:

    Vielen Dank für Dein schönes Feedback. Dasfreut mich sehr. Das erlebe ich auch, wir dürfen uns immer wieder neu einstellen. Wie ein Navi, das den Weg neu berechnet 😀. Herzliche Grüsse, Céline 💖

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